Die Einen mögen wissen, wovon ich rede, für das Leben der Anderen mags keine Rolle spielen. Als unser Land noch zwei Länder war, hatte jedes einen großen Bruder, der auf alles aufpasste, Regeln aufstellte, Taschengeld klaute und Beziehungen einfädelte, weil es mal große Scheiße gebaut hatte und keiner es mehr mochte. Jetzt ist unser Land wieder mehr oder weniger zu Vernunft gekommen und groß genug, selbst auf sich aufzupassen. Ausgezogen, das Fürchten zu lernen sozusagen. 20 Jahre lang durften wir nun tun, was wir wollten und füllten das Machtvakuum mit Dingen wie Generation X, New Economy, Eurodance, Sozialer Marktwirtschaft, Hartz4, Krieg gegen den Terror oder Schweinegrippe. Alles zerplatzt wie dreckige Seifenblasen. Nichts übrig als kleine, glitzernde Flecken auf dem Bürgersteig.
Mit Facebook haben wir nun einen neuen Großen Bruder gefunden, mit dem wir uns in Hassliebe verbunden fühlen. Ohne ihn gehts nicht, mit ihm gehts aber auch nicht leichter. Wenigstens liefert Facebook keine Waffen, baut keine Mauern und tötet keine Menschen. Wie mein Vater sagt: Man findet sich halt zurecht in dem System, in dem man lebt. Was noch nicht heißt, dass man sich abfindet. Mit den Zuständen zum Beispiel. Deshalb machen wir ja auch dieses Festival, um einen kleinen Gegenentwurf zu versuchen. Trotzdem könnt ihr uns ab sofort auch bei Facebook erreichen. Alle anderen machens ja auch. Und irgendwann wird auch dieser große Bruder alt und gebrechlich, dann können wir wenigstens später mal erzählen, dass wir dabei gewesen sind.